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Seit rund acht Jahren hatte er den Schulhof seiner alten Grundschule keines Blickes mehr gewürdigt und dann eines Nachmittags im Herbst fuhr er mit dem Rad vorbei.
Alles hatte sich geändert, das Hauptgebäude war einem Betonklotz gewichen und die Spielgeräte waren alle mit Plastik verbessert, anstatt wie früher, in seinen Kindertagen, komplett aus Holz.

Er fuhr nach Hause und kramte aus der Kiste im Schrank die alte Klassenliste. Er suchte zuerst nach seinem besten Freund, zu dem er seit dem Schulwechsel den Kontakt völlig abgebrochen hatte und dann verglich er die Adresse mit dem neuen Telefonbuch, wo glücklicherweise der gleiche Name wie damals stand.
Nach einem gescheiterten Versuch, ihn zu erreichen, markierte er sich die Seite im Telefonbuch und schlug zwei Seiten weiter zu seiner Großcousine, die damals auch in seiner Klasse war. Sie erreichte er bereits mit dem ersten Klingeln, aber leider hatte sie keine Zeit für irgendwelche Aktionen in der Form.
Weitere neun Versuche scheiterten durch Absagen und die restlichen auf der Liste hatten ihren Wohnsitz gewechselt, sodass er keine Chance hatte, sie zu erreichen.

Am späten Abend fuhr er zurück zu dem Ort vier Jahre langer Qualen und hangelte sich über das hohe Geländer, um in den Schulhof zu gelangen.
Dort angekommen packte er seine Schachtel Zigaretten aus, die ihn vom Rauchen abhalten sollte, da er durch sie erst aufgehört hatte, vor drei Monaten. Er schrieb mit einem Permanentmarker das Wort "Warum" darauf und legte sie auf das Fensterbrett des Lehrerzimmers.
Dann ging er zur Hängebrücke, die an den Hölzernen Kanten Kunststoffversiegelungen trug und setzte sich in ihre Mitte.
So verblieb er etwa zwanzig Minuten und horchte in sich selbst hinein, bis er aufstand, um den alten Kastanienbaum zu besichtigen. Er stand noch da, wo er immer stand und hatte sich bis auf einige Rindenaufschürfungen kaum verändert.
Er kramte seinen Klappspaten aus dem Rucksack und fing an, an der kürzesten Wurzel zu graben, wie er es früher oft getan hatte.
Der einsetzende Bodenfrost machte ihm zu schaffen, aber mit seinen siebzehn Jahren war er um einiges stärker als damals mit neun und so hob er langsam sein Versteck aus. Ein riesiger Hohlraum tat sich zu den Wurzeln der Kastanie auf, in dem noch immer eine Holzkiste, gut verborgen von der Außenwelt und deren Zerfall, stand.

Er schaute nach, was darin lag und fand außer seinem Taschenmesser von damals einen recht neuen Zettel, anscheinend noch von diesem Sommer, auf dem stand: "Im Herbst, in der Nacht, unter diesem Baum, ich werde da sein."
Natürlich war er sehr verwundert, denn er erwartete nicht, dass jemand sein Versteck kannte, der außerdem mindestens in der achten Klasse, dem Schriftstil nach zu urteilen, war.

Im Kletterhaus fand er so einen gemütlichen Platz und sah bald darauf eine Gestalt über den Zaun klettern, mit einem Klappspaten in der einen Hand. Die Person ging zum Baum, kniete nieder und verbeugte sich vor dem Loch, dass er in den Boden gegraben hatte, dann stand sie wieder auf und wendete ihren Kopf zur Hängebrücke und dann auf das Kletterhaus, als wüsste sie, wo er ist. Sie winkte ihm zu und er entschied, sich zu zeigen, da er sich ohnehin nicht mehr vor ihr verstecken konnte. Er kam herunter und ging auf den Baum zu, während die andere Person weiter grub und schließlich auf Metall stieß, was in der Stille der Nacht ohrenbetäubend klang. Dann erreichte er den Baum und schaute in das Loch hinunter. Dort erkannte er den Deckel von einer metallenen Brotdose und griff hinunter, wobei die andere Person seinen Arm plötzlich aufhielt. Unter der schwarzen Mütze ragten taillenlange, blonde Haare heraus und ihre Hand war sehr weiblich geformt.
Sie sah ihm in die Augen und er erkannte ihren Blick wieder. Es war die Praktikantin, die ihn auf dem Schulhof einmal erwischt hatte, als er sich durch ein Loch im Zaun verdünnisieren wollte.
Damals hatte sie ihn mit dem gleichen Griff aufgehalten, bevor das Auto direkt vor seiner Nase vorbei fuhr.
Ein Mal hatte sie ihm schon das Leben gerettet und dabei war sie bloß viereinviertel Jahre älter und hatte ihn sonst nie beobachtet.
Am gleichen Tag hatte er sich damals an der Hängebrücke den Unterarm aufgerissen, weil ein Holzsplitter abgegangen war, als er herunter fiel.
Sie sagte einer Lehrerin bescheid und so wurde er vom Krankenwagen abgeholt.

Eine Woche später saß er an dem Platz, an dem das Loch gegraben wurde und vermisste seine Retterin, denn ihre Praktkantenzeit war um. Dann, am späten Nachmittag diesen Tages kroch er durch das Loch in den Schulhof und grub mit seiner gesunden Hand ein Loch, in dem er einen Kirschkern vergrub, direkt neben der Kastanie. Als er sich gerade wieder hin gestellt hatte, krachte er ein und fand so das Versteck seiner Holzkiste.

Dann öffneten sie die Brotdose und darin lag ein langes Stück aus Holz. Er verstand: Sie kannte das Versteck schon vorher und hatte dort ihre Brotdose aus ihrer Grundschulzeit versteckt. Später, als ihm dann dieses Missgeschick passiert war, hatte sie den Splitter geholt und dort vergraben, weshalb der Boden auch einkrachen konnte.


Und das alles nur, weil er sich einmal mit einem Holzsplitter den ganzen Unterarm aufgerissen hatte.




Es gibt Menschen, die kümmern sich einfach um andere.



Aus: Fragen?



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