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Schon seit drei Stunden hatte er sich hier verschanzt hinter den eingefallenen Ruinenmauern, mit einer Geisel. Der Psychologe laberte ihn seit der gleichen Zeit zu, aber auf diese Tricks konnte er nicht herein fallen, da er selbst promovierter Psychologe in einer Nervenanstalt war und die kompletten Geschichten aller Psychopathen, Geisteskranken und Suizidgefährdeten von vorne bis hinten rückwärts aufsagen konnte, so oft hatte er es schon gehört.
„Wenn ihr die Geisel lebend wollt, müsst ihr mir entweder einen Kopfschuss geben oder meine Bedingung erfüllen“, schrie er über den Platz. Er hatte seinen Standort sorgsam gewählt und eigentlich niemals vorgehabt, seiner Geisel etwas zu tun. Er beruhigte sie: „Patrice, ich will dir nichts tun und ich werde das auch nicht, aber anders werde ich niemals meinen Wunsch erfüllt bekommen.“ „Ich glaube dir ja, dass du mir nichts tust, aber ich denke nicht, dass dir die da draußen das abkaufen. Nimm deine Pistole, halte sie mir an den Kopf und zeige mich ihnen, vielleicht begreifen sie es dann endlich.“ „Kann es sein, dass du mich magst?“, grinste er sie an „Oder ist es vielleicht so, dass du einfach nur meinen Wunsch verstehst. Ich hab noch nie von einer Geisel gehört, die dem Kidnapper Ideen gespendet hat. Leider werde ich hier nicht frei rauskommen, egal was ich mache. Ich habe dich als Geisel genommen, was gegen die Freiheit des Menschen spricht und außerdem werde ich als geisteskrank eingeschätzt, weil ich .. Hmm, weil ich einfach ich bin.“ „Woher weißt du das so genau?“ „Ich bin selbst Psychiater und muss mich täglich mit den irrsten von allen herum schlagen, mit gescheiterten Selbstmördern, psychopathischen Kinderschändern und allerlei anderem Gesindel. Da ist es doch echt nicht so weit, dass die mich für verrückt halten, wenn ich halt ein bisschen von dem Verhalten kopiere, das mir meine Patienten ständig vorführen.
Hätte ich keinen Drang, anderen zu helfen, würde ich die vielleicht alle Erhängen, wenn die versuchen mir an die Gurgel zu gehen, aber nein, ich muss ja meinen Beruf ausführen und darf nicht schwach werden. Außerdem kannst du ruhig sagen, wenn dir irgendetwas nicht passt oder wenn du Probleme im Leben hast, ich bin an die Schweigepflicht gebunden.“
„Woher hast du eigentlich die Pistole? Und ja, du bist mir sehr sympathisch, aber machen wir das jetzt endlich mit meinem Vorschlag?“
Zwei Minuten später stand sie alleine neben einem Mauerstück mit einer Pistole auf ihren Kopf gerichtet. „Er ist bisher nicht gewalttätig geworden, aber bitte, ich will weiter leben, machen sie was er sagt“ schrie sie mit gespielter Panik über den Platz. „Hey, ich wusste gar nicht, dass du so gut künsteln kannst.“ „Er hat gerade gesagt, dass er nicht mehr lange wartet.“ Sie fing merklich an zu zittern und kippte dann um. Er begriff die Situation und zog sie aus der Bahn, wieder zurück zu seinem Platz. „Du kannst die Augen jetzt aufmachen, wir sind wieder in Sicherheit“, doch sie reagierte nicht. Er fühlte nach ihrem Puls, aber fand keinen. Sie hatte einen Herzstillstand und diesmal war das nicht vorgetäuscht. Langsam stieg in ihm selbst die Panik hoch und er rannte zu dem Platz an dem sie eben noch gestanden hatte und rief nach einem Sanitäter, woraufhin zwei rot-weiß gekleidete Personen über den Platz hechteten. Er hatte sich inzwischen daran gemacht, sie zu beatmen und dann bemerkte er zwei Paar Beine neben sich mit einem Koffer. Der eine stieß ihn weg und zog die Geisel auf einen flachen Platz, der andere setzte sich hin und suchte in seinem Koffer eine Atemmaske und eine Spritze mit blutverdünnenden Mitteln. Zusammen schafften sie es, wieder einen Puls zu erhalten und schließlich rollten sie sie auf eine Trage und schleppten die Trage zum Ausgang. „Wir brauchen einen Helfer.“ rief der eine und ließ die Trage ab. Dann zog der andere die Trage auf den freien Platz und ließ seinen Kollegen zurück. „Werter Herr, ich bin in Selbstverteidigung geübt, aber da ich ein ehrlicher Mensch bin, werde ich hier als ihre Ersatzgeisel verweilen. Zudem finde ich, dass ihre Wünsche gerechtfertigt sind.“ „Okay, okay, noch so einer. Leg dich auf den Boden, ich weiß nicht was die da draußen vor haben. Aber der Frau habe ich nichts getan.“ „Wir denken, dass es eine Krankheit war, ähnlich wie Epilepsie, die sie komplett leblos gemacht hat. Ein Herzinfarkt ist eher ausgeschlossen, aber trotzdem nicht unmöglich.“ „Ja gut, falls sie ihre Versichertenkarte brauchen, die ist in ihrem Portemonnaie, das noch hier liegt und sie heißt Patrice. Bringen sie das Portemonnaie vor und schmeißen sie es auf die Lichtung, so bin ich wenigstens aus der Schussbahn.“ Einen Moment später lag eine Geldbörse auf der Lichtung und der Polizeipsychologe rief: „Ist er gefährlich?“, woraufhin die Pistole wieder in Sicht kam und der Psychologe gar nicht erst eine Antwort benötigte.
Sie bewegten sich wieder zurück und er erkannte, dass an den kleinen Löchern im Mauerwerk Personen vorbei schlichen. Ein Loch auf Kniehöhe war recht groß und so konnte er im Hintergrund schon Heckenschützen im Buschwerk lauern sehen. Der Hochsitz war so verfault, dass es ein Wunder war, wie ein Polizist darauf klettern konnte, ohne dass irgendetwas knarrte.
Sie waren komplett umzingelt, aber vor einigen Monaten hatte er angefangen, eine Verbindung zu den Abwasserkanälen zu graben, wobei er auf ein Schachtsystem einer frühen Kultur gestoßen war und so einen Ausgang auf der Rückseite eines nahe gelegenen Berges gefunden hatte.
Aus einem Lautsprecher tönte es: „Wir werden Ihnen nun Ihre Bedingung erfüllen, aber nur, wenn sie die Geisel dann laufen lassen. Sie dürfen sie sehen. Sie ist hier und wird gleich herüber kommen. Allerdings nur dann, wenn Sie Ihre Pistole weg werfen, sodass wir Garantie haben, dass keinem etwas geschieht. Über ihre Rechte haben wir Sie schon aufgeklärt, deshalb werden sie danach sofort fest genommen und dem Haftrichter vorgeführt.
„Bewegung, ich denke die wollen Sie sehen, bevor die das erfüllen. Ich werde ihnen nichts tun, keine Angst.“
Durch ein Guckloch konnte er erkennen, dass sie wirklich hier war und sich auf den Weg her machte. Ein unbewaffneter Polizist begleitete sie bis vor den Eingang zu den Ruinen.
Er warf seine Pistole auf die Lichtung, wo der Polizist sie aufnahm und wieder zurück zu den Wagen ging.
„Du kannst jetzt auch verschwinden, danke für deine Hilfsbereitschaft.“ er schüttelte dem Sanitäter die Hand und dieser begab sich auch zurück zu den Wagen.
Endlich stand sie vor ihm und starrte ihn verständnislos an. „Kannst du mir sagen, warum du mich verlangt hast und nicht Geld oder Freiheit oder sonst irgendetwas?“ „Musst du das wirklich noch fragen?“, entgegnete er mit durchdringendem Blick. „Eigentlich nicht“, sprach sie und ihre Miene hellte sich mit einem Schlag auf.
Einen Moment später lagen sie sich in den Armen, wie zuletzt vor fast dreizehn Jahren, als ihr Vater einen richterlichen Beschluss erkämpfte, dass sich die Beiden nicht mehr näher kommen durften als zehn Meter, gegen den Willen beider.
„Wir haben uns jetzt seit einer Ewigkeit nicht sehen dürfen und jetzt ist es zu spät für mich. Wie geht es unserem Kleinen? Hast du ihm von mir erzählt?“ „Weißt du, mir ist es inzwischen egal, ob mein Vater noch meine Wohnung bezahlt oder nicht. Ich wollte dich wieder sehen und hatte schon alles in die Wege geleitet, dass das Verbot aufgehoben wird, aber .. du warst mir zuvor gekommen mit dieser Aktion heute. Ich habe von deinem Tumor gehört.. und unser Kleiner hat inzwischen seine erste Freundin. Sie sind ein glückliches Paar, wie wir früher, als wir so jung waren.. und ihn bekamen, gegen den Willen unserer Eltern.
Wie lange hast du noch? Einen Monat oder ein Jahr?“ „Ganze zwei Tage geben mir die Ärzte noch. Die Schmerzmittel helfen nicht mehr wirklich und deshalb kann mir jetzt alles egal sein, selbst ob ich erschossen werde oder nicht.. Ich habe mein Leben gelebt, so wie ich Zeit hatte. Leider hat sich dein Vater gegen uns gestellt und der Krebs sich gegen mich. Dabei war alles, was ich wollte eine glückliche Familie.“ Er ging vor ihr auf die Knie und nahm ihre Hand. „Deshalb frage ich dich: Willst du mich hier und jetzt heiraten?“
Sie brach in Tränen zusammen und schluchzte: „Ja ich will. Ich werde dich immer lieben, egal ob hier oder anderswo.“ Er steckte ihr einen Ring, der komplett aus Kristallen gefertigt war, an den Finger und gab ihr einen anderen in die Hand, den sie ihm über den Finger zog.
Dann küssten sie sich und zwei Polizisten, die ihn gerade abführen wollten, beobachteten die Szene mit Freuden und gingen zurück zu ihrer Einheit.



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